PolitikDienstag, 04. November 2008, 12:09 Uhr· von: Nicolas Flessa

Wir sind ein Demokrat

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Als am 24. Juli 2008 200.000 Schaulustige das größte politische Sommerfest Berlins seit dem "Summer of Love" und dem 26. Juni 1963 besuchten, als ein smarter Präsident verkündete, ein Bürger dieser Stadt zu sein, waren die Kioske gepflastert mit dem Konterfei des Mannes, über dessen Zukunft heute Nacht in den USA entschieden wird.

Von "Obama heute ein Berliner!" (Bild) über "Prinz Amerika in Berlin" (BZ) bis hin zu "Barack Obama. Erlöser oder Verführer?" (Stern) reichten die gedruckten Meldungen. Plötzlich jubelten sie wieder, die Deutschen, und schwenkten wie einst ausgeteilte Fähnchen im Wind, und die im letzten Krieg gebrochene Hand, schon zu WM-Zeiten probeweise gelockert, hisste ein Wappen, das man höchstens aus den Nachrichten kannte, wenn es mal wieder im Iran oder Palästina in Flammen aufging. 

An diesem Tag schienen sich die Berliner mit einem final act für den Einsatz der Amerikaner um die deutsche Hauptstadt zu bedanken. Zum 45. Jahrestag der Kennedy-Rede wusste der gerührte Senator die wortlose Begeisterung der Deutschen zu lesen: "Wir sind Demokraten!" 

Die ersten Wahlergebnisse liegen schon vor: Zwei winzige Dörfer in New Hampshire, Hart's Location und Dixville, haben sich für Obama entschieden.

Wer nun im "Summer of Change" auf den Geschmack gekommen ist und Lust hat, das ganze Spektakel inklusive Showdown in einer geselligen Runde Gleichgesinnter mitzuverfolgen, hat dazu bei diversen Wahlparties in Berlin die Gelegenheit: Die US-Demokraten feiern ab 22.30 Uhr bis morgens im Babylon-Kino am Rosa-Luxemburg-Platz (Eintritt 5 Euro), die Auslands-Republikaner ab 22 Uhr im „Wahlkreis“ in der Reinhardtstraße 37 (Eintritt frei). Die übrigen Wahlparties sind leider schon ausgebucht: so im Amerikahaus, in der Telekom-Repräsentanz, bei Bertelsmann und in der Hertie School of Governance.

Der letzte Präsident der Vereinigten Staaten widmete seine doppelte Amtszeit in erster Linie der Jagd nach zwei Todfeinden, von denen er den einen tatsächlich niederstrecken konnte: Sadam Hussein und Osama Bin Laden. Wenn morgen tatsächlich nach acht Jahren republikanischer Sippenhaft wieder ein Demokrat ins Weiße Haus ziehen sollte, hat dies durchaus auch eine humoristische Note.

Dann heißt der nächste Präsident der Vereinigten Staaten Barack Hussein Obama. 

Deutsche Vertreter der Parteien im Internet: www.demsinberlin.de und www.republicansabroad.de



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