SerienMontag, 10. Dezember 2007, 13:24 Uhr· von: Berlin-Kompressor

Warum die Post nicht mehr pünktlich kommt?

Von Olaf Sundermeyer

Als Onkel Heini aus Uhlenbusch* noch zuverlässig die Weihnachtspost verteilte, kam alles pünktlich an. Das ist nun anders: Die Post wird mit der Brief-Flut vor Weihnachten nicht fertig: Zu viele Briefe, zu wenig Personal. Auch in Berlin werden inzwischen Sendungen gesammelt und nur alle paar Tage ausgeliefert. Wen wundert´s ? Verdiente Onkel Heini aus Uhlenbusch, damals in den gemütlichen Jahren der Vorglobalisierung, noch den Namen „Briefträger“, bringt nun ein neuer Typus die Weihnachtpost rum: „Zusteller“ nennt ihn die Deutsche Post. Man könnte ihn auch „Einkauf-aktuell-Träger“ nennen (so heißt diese DIN-A4 Wurfsendung in Plastikfolie, mit der die Post einmal pro Woche die Briefkästen zumüllt: Und weil dieser Trash auch das Fernsehprogramm enthält, ist es keine ausschließliche Werbung, die uns im Sinne von „Bitte keine Werbung“ vom Hals bleibt) oder „Info-Post-Träger“ (so heißen diese überflüssigen Werbebriefe, auf denen z.B. „an alle Hauhalte steht“ oder „Faber-aktuell“). So hat sich die Kilo-Last für den einzelnen Zusteller seit den Zeiten von Onkel Heini ungefähr vervierfacht. Dafür ist der Geldwert, den der einzelne für diese Plackerei bekommt, deutlich gesunken. Ist also logisch, dass die Post nicht mehr pünktlich kommt. Und aus dem Beruf des Briefträgers ist längst ein austauschbarer Job geworden, der sich in die Kette der unterbezahlten Tätigkeiten einreiht. Und weil an der Kostenstelle „Personal“ auf diese Weise reichlich Geld verdient wird, bleibt am Ende viel übrig, das an Wenige verteilt werden kann. Zumindest müssen die auch länger auf ihre Weihnachtspost warten. Und schon ist die Gerechtigkeit wieder hergestellt. Frohe Weihnachten!

* liebenswürdiger Briefträger und Hauptprotagonist aus der Familienserie „Neues aus Uhlenbusch“, die in den 80er Jahren den Menschen in der alten Bundesrepublik vermittelt hat, dass das Leben in Ordnung ist.