Politik, Umwelt & FortbewegungDienstag, 20. April 2010, 17:53 Uhr· von: Erik Müller

Vor digitalen Stromzählern wird gewarnt!

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Auf der soeben beendeten Bloggerkonferenz re:publica in Berlin war der Schutz der Privatsphäre in einer zunehmend digitalisierten Welt eines der Hauptthemen. So warnte der Chaos-Computer-Club in einem Beitrag vor dem Einsatz sogenannter „intelligenter Stromzähler“.

Denn der Bundestag hat mit der Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes die flächendeckende Einführung dieser Zähler beschlossen. Ab dem 1. Januar 2010 sind die neuen Geräte bei Modernisierungen und in Neubauten Pflicht. Nach und nach sollen alle Haushalte in Deutschland mit den „intelligenten Zählern“ ausgestattet werden.

Bei Datenschützern stoßen sie jedoch auf heftige Kritik. Aber auch Bürgerrechtsgruppen und Verbraucherschützer sind dagegen. Denn im Gegensatz zu den bisher eingesetzten analogen Zählern zeichnen die neuen digitalen Geräte nicht nur den Stromverbrauch auf, sondern auch genaue Angaben über die persönliche Lebenssweise. Diese werden dann per Funk an den Stromanbieter weitergegeben und machen den Kunden zum gläsernen Bürger.

Aus den Daten kann man z. B. Ablesen, ob jemand in seiner Wohnung noch Glühbirnen statt Energiesparlampen einsetzt oder wie oft er die Waschmaschine einschaltet, wann er das Haus verlässt und sogar wann er verreist ist. Organisierten Einbrecherbanden bietet sich so die Möglichkeit, per Datenklau verwaiste Wohnungen auszuspähen und leerzuräumen. Aber auch von offizieller Seite wäre es möglich, das Leben der Bewohner massiv zu beeinträchtigen. So könnte man die Verwendung der Glühbirnen oder das Einschalten der Waschmaschine zu falschen Zeit abmahnen und bei Verstoß gegen die Auflagen oder nicht pünktlich bezahlter Rechnung per Funk den Strom abschalten. In Italien und den USA, wo viele Haushalte schon mit den neuen Geräten ausgestattet sind, werden diese Möglichkeiten bereits skrupellos ausgeschöft.

Doch auch andere Gründe sprechen gegen die neuen Zähler. So ist ihr Eigenverbrauch höher als bei den alten Geräten, obwohl sie zur Energieeinsparung beitragen sollen. Selbst die angepriesene genaue Abrechung ist kein wirkliches Argument, denn die bisherigen analogen Geräte liefern ohnehin sehr genaue Messergebnisse. Und die Anschaffungskosten fallen um Einiges höher aus, da ein paraleles Kommunikationsnetz benötigt wird. Die Kosten dafür werden auf die Verbraucher umgelegt. Außerdem werden aufgrund der komplizierteren Technik Totalausfälle wahrscheinlicher. Doch vor Allem aufgrund des drohenden Missbrauchs der Daten, der weitreichende Eingriffe in die Privatsphäre der Bürger nach sich zöge, raten Verbraucherschützer und Bürgerrechtler vom Einbau der neuen Geräte ab. Eine Sammelklage wird indes immer wahrscheinlicher.



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