SerienSamstag, 26. Dezember 2009, 17:48 Uhr· von: Ncolas Flessa

Reisende Autoren: München

Article_muenchen2009

wir lassen uns nicht von zielen beirren. wir wissen um die aussichtslosgkeit, die uns erwartet, wenn wir in die verlegenheit kämen, anzukommen. es sind die bahnhöfe und mcdonalds dieser welt, die uns noch halten. es sind die plätze, die wir meiden, die auf uns warten. wenn wir nachts durch die verschneite altstadt irren. wenn wir keine freunde haben oder keine, die nicht schlafen. es ist schlafzeit, wenn wir reisen. eine fliege hält uns wach, sie umkreist uns, und immer, wenn wir einnicken, setzt sie sich auf unser ohr, unsere nase, unseren hals. wir können sie scheuchen, so lange wir wollen. irgendwann werden wir akzeptieren, dass sie unsere nähe sucht, und wir werden sie nicht mehr bemerken. wenn wir unseren kaffee gemeinsam mit den straßenkehrern getrunken haben, wenn wir neben den anderen, die frieren im dezember, unsere nächte verbracht haben, reisen wir weiter. wir spüren den schnee nicht mehr, der unsere mäntel, unsere taschen, unsere hüte geschmeidig macht, bis sie tropfen. wir sehen sie kaum, die beine, die immer mehr werden, umso eiliger sie es haben, zu ihren plätzen zu kommen, die sie heimat nennen, obwohl es büros sind. wenn wir durch das tor der stadt kommen, laufen wir an dem mann mit der schachtel vorbei. vielleicht halten wir. vielleicht bereuen wir es, nicht gehalten zu haben und laufen dennoch weiter. vielleicht sieht er uns nach. vielleicht erkennt er uns noch, vielleicht hat er ein herz für uns und flucht. wir haben angst, wir reisende, angst davor, bei ihm zu sein, er zu sein, ihn zu kennen. sie treibt uns voran, auch wenn wir langsamer sind als die raschen beine ins büro. auch wenn wir von jahr zu jahr an geschwindigkeit verlieren, weil wir uns daran gewöhnen, nicht mehr so unglücklich zu sein wie in der heimat, die sie büros nennen.