KulturSonntag, 20. Dezember 2009, 14:59 Uhr· von: Michael Steimel

„On this earth, a shadow falls“

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Elefanten, Löwen, Gorillas… die großformatigen Drucke in Schwarzweiß zeigen Lieblingsmotive der Wildlife-Fotografie. Doch im Unterschied zu konventionellen Darstellungen der afrikanischen Wildnis sind es nicht die aufregenden Höhepunkte, sondern die ruhigen, friedlichen, fast möchte man sagen: die alltäglichen Momente. Brandts Tiere kämpfen nicht. Sie durchschreiten karge Landschaften oder lassen den Blick in die Ferne schweifen. Ein Dutzend Giraffen verteilt sich über die Weite der ostafrikanischen Steppe, ratlos, so scheint es. Zwei Zebras sehen sich nach ihrer Herde um. Oft stehen die Tiere in so perfekter Pose, dass sie wie ausgestopft und arrangiert aussehen.

Tatsächlich sind die Bilder das Ergebnis ausdauernden Wartens auf die seltenen Momente, in denen die Natur selbst das Arrangement der Posen und Choreographien übernimmt, was Wochen und Monate dauern kann. Sie verbinden so das ikonische Moment des Porträts, seine malerische Schönheit, mit der konkreten Lebendigkeit des Dokumentarischen. Dabei verdankt sich die intime Nähe zu den fremden Verwandten auch der reduzierten technischen Ausstattung – Brandt verzichtet auf ein Teleobjektiv, wie es in der Tierfotografie üblicherweise verwendet wird.

Nach seinem Studium der bildenden Künste hatte sich der gebürtige Londoner zunächst als Regisseur von Musikvideos einen Namen gemacht. Bei dem Dreh zu Michael Jacksons „Earth Song“ bereiste  er zum ersten Mal Tansania im Osten Afrikas. Fasziniert von der Landschaft und ihren Bewohnern, aber auch alarmiert von ihrer zunehmenden Zerstörung, verschrieb er sich fortan der Fotografie. Sein überaus erfolgreiches Debut „On This Earth“ wurde 2005 veröffentlicht. Mit „A Shadow Falls“ erscheint nun der zweite Band  der anvisierten Trilogie.

Das Ziel seiner Arbeiten beschreibt Brandt mit den unprätentiösen Worten dessen, dem die Dringlichkeit seines Anliegens vor Augen steht: „Für mich hat jede Kreatur auf diesem Planeten das gleiche Recht zu leben. Darum mache ich diese Bilder. Ich hoffe Sie sehen diese Tiere, diese Nicht-Menschen, auf die gleiche Weise wie ich – als gar nicht so anders als wir.“ Im Schatten der zunehmenden Zerstörung der natürlichen Lebensräume verbindet sich das ästhetische Anliegen nahtlos mit einem ethischen. Man hat das tragische Gefühl vor einem Requiem zu stehen. Die leicht sepiagetönten Schwarzweißaufnahmen reden von der Gegenwart als Vergangenheit. Nicht Mitleid für die Tiere ist das Ergebnis, sondern Trauer über den Verlust den ihr Aussterben für uns bedeutet.

Photogalerie Camera Work
Kantstr. 149, 10623 Berlin
Di – Sa 11 – 19 Uhr

+49 (0)30 3100773
www.camerawork.de
 

Weitere Informationen und Bilder unter
www.nickbrandt.com

Bildnachweise:
Nick Brandt, Portrait of two Zebras turning Heads, Ngorongocrater, 2005.
Nick Brandt, Lion before Storm II, sitting Profile, Maasai Mara, 2006.
Nick Brandt, Giraffes in the evening light, Maasai Mara, 2006.
Nick Brandt, Elephant drinking, Amboselis, 2007.
Nich Brandt, Cheetah and Cubs lying on Rock, Serengeti, 2007.
Nick Brandt, Baboons in Profile, Nakuru, 2007.



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