LebenMontag, 20. Dezember 2010, 01:29 Uhr· von: Erik Müller

Neuköllns neues Maskottchen: Der Lebkuchenmann

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Einkaufszentren sind nicht jedermanns Sache. Für Manche sind sie schlicht Tempel einer Ersatzreligion, nämlich des „Konsumismus“. In den sogenannten „Neukölln Arcaden“ sind trotzdem nicht nur die üblichen Verdächtigen zu finden, also konsumorientierte Migranten und Alteingessene. Auch die neuzugezogene Bevölkerung des Szeneviertels Kreuzkölln hat ihren Frieden mit der Einrichtung gemacht: Alternative und Individualisten sind dort sichtbar präsent. Während Studenten die Möglichkeit nutzen, im Supermarkt im Keller bis 22 Uhr einzukaufen, sitzen im italienischen Cafe Tiziano in der ersten Etage Künstler und junge Kreative bei Espresso oder Eis mit viel Schlagsahne. Es heißt, dort gäbe es das beste Tiramizu der ganzen Stadt.

Meistens wirkt das Einkaufszentrum jedoch wie eine große Wartehalle, da sich vor allem jüngeres Publikum gerne dort aufhält und verabredet ohne auch nur irgendetwas zu kaufen. Den Geschäften geht es trotzdem nicht schlecht. Und der jährliche Weihnachtsrummel inklusive riesiger Glitzerdeko in der großen Halle ist für ein Shoppingcenter ja nicht ungewöhnlich.

Dass in diesem Jahr das Märchen „Peterchens Mondfahrt“ mit lebensgroßen Plastikfiguren szenisch nachgestellt wird, wäre an sich keine Meldung wert, wäre da nicht eine Figur die man durchaus als bemerkenswert bezeichnen kann: Der Lebkuchenmann im Untergeschoss. Das Besondere an ihm ist nicht nur seine Hautfarbe - er ist ein Farbiger - sondern seine Gesamterscheinung. Wie ein orientalischer Reiterfürst sieht er in seiner Lebkuchenuniform aus.

Die Figur erfreut sich überaus großer Beliebtheit und lächelt den Besuchern freundlich entgegen. Kleine Kinder stehen staunend davor, junge und ältere Passanten lassen sich mit ihr fotografieren. Deshalb ist es umso unverständlicher, dass der Lebkuchenmann ins Untergeschoss verbannt wurde. Noch dazu in einer ungünstigen Position an der Rolltreppe, wo man kaum an ihn herankommt. Vielleicht misstraute das Management der Aufgeschlossenheit ihrer Mitbürger, was jedoch völlig unbegründet wäre. Schließlich ist der Bezirk schon seit 40 Jahren ein Migrantenviertel und inzwischen leben viele Afrodeutsche, Afrikaner und andere Farbige dort. Insofern leistet die liebenswerte Figur auch einen wichtigen Beitrag zur Akzeptanz der dunkelhäutigen Menschen in dem Viertel.

Leider steht sie dort nur noch bis zum 24. Dezember, dann wird die gesamte Weihnachtsdekoration abgebaut. Viele Passanten wünschen sich jedoch einen Verbleib der Figur über die Festtage hinaus. Und wenn nicht, dann „muss der Lebkuchenmann nächstes Jahr wiederkommen“!



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