LebenMontag, 26. November 2007, 13:47 Uhr· von: carpeberlin

Friedrichshain: Party und Nachtleben

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Der Charme dieser gemauerten, flach-barackenartigen Lokalität ist besonders in der Sommerzeit von äußerstem Liebreiz. Dann kann man im Hof in Strandkörben chillen, die Füße im Sand, während die ersten S-Bahnen in unmittelbarer Nähe leer vorbeiziehen. Musikstil: weitestgehend elektronischer Underground. Publikum: Mitte zwanzig so.


In der Simplonstraße 48, nur einige Minuten zu Fuß vom „Rosi’s“, befindet sind das „Lovelite“. Ein ähnliches Publikum tummelt sich hier gern zu interessanten Konzerten von Knarf Rellöm bis zu Betty La Gachette. Vormalig wohl eine Art Garagen-Verhau, ist das „Lovelite“ eine verwinkelte, intime, aber dennoch nicht zu kleine Institution, die für gute live-acts bürgt.
Der DJ rückt meist im Anschluss daran an.

Unbedingt zu nennen ist ferner: das „Maria am Ostbahnhof“ (auch: „Maria am Ufer“) an der Schillingbrücke. Für Fans der elektronischen Musik abseits vom Mainstream ein absolutes Muss eigentlich. Diesem Club kann man sich anvertrauen, sagen einem die Namen der eigens eingeflogenen DJ’s mal nichts. Hier läuft einfach mal kein Mist. Ist so.
Direkt an der Spree befindlich, kann man im Sommer wunderbar die Beine über den Fluss baumeln lassen. Zur blauen Stunde, wenn sich die Reflexe auf dem Wasser ändern, bekommt das Party-Toben im Hintergrund fast etwas Verklärtes. Die Lage allein macht aus dem „Maria“ etwas Besonderes.

Im selben Atemzug ist auch das „Berghain“ („Panorama-Bar“) am Wriezener Bahnhof zu nennen.
Ganz tief im alten Reichbahngelände gelangt man durch einen Parcours von Bauzäunen und Absperrungen zu einem hell erleuchteten mehrstöckigen Haus. Dem Freund der elektronischen Tanzmusik ist das, was hier heraus erschallet die reine „Fülle des Wohllauts“. Wie für das Maria gilt auch hier: Vertraut euch blind an. Die Zeremonienmeister haben sich in der Kunst des Plattenauflegens habilitiert. Die überdimensionierte und glitzernde Bar verleiht dem abgerissenen Ambiente den Glamour, der diesen Ort so einzigartig macht.

Für das „Maria“ und das „Berghain“ gilt: Türpolitik existiert.

Nicht unerwähnt lassen wollen wir den „Postbahnhof“ in unmittelbarer Nähe zum Ostbahnhof. Das restaurierte schmale alte Bahnhofsgebäude ist eine tolle Silhouette in der Berliner Clublandschaft. Rein von der Musik her geht es hier weniger avanciert zu als an den beiden vorgenannten Orten, aber auch nicht schlecht. „Radio Fritz“ ist der Hauptausrichter der Tanzveranstaltungen – ansonsten ist der Ort insbesondere für mittelgroße bis große Konzerte zu nennen.

Auch das „Matrix“ (Warschauer Platz 18) sollte hier zumindest einmal genannt werden. Es ist schließlich im ganzen Land bekannt. Es läuft: Techno. Und es geht auch sonst etwas grobmaschiger zu. Der Club ist bei einigen Partygängern als Anlaufstelle für (sehr junge) Land-Pomeranzen aus dem Brandenburgischen verschrien.

Die „Narva-Lounge“, grade nebenan und sich laut Website zur Familie des Matrix rechnend, scheint Leute aus dem Familienumfeld anzuziehen. Ambitioniert, groß, nicht schlecht. Wenn auch (was das Ambiente betrifft) mit der ein oder anderen Disco-Stilblüte.

Vom „Octopussy“ in der Gürtelstrasse 36 ist zu sagen: Hier geht alles. Metal, Ragga, Electroclash, alles je nach Programm. Unideologische Leute, lässig, nicht stylish, die sich da tummeln, im nicht mehr ganz neuen Mobiliar. So abgefuckt und stimmig zugleich bekommt man es nur in Berlin hin. Sagen wir jetzt mal ganz arrogant.

Für Freunde der karibischen oder schwarzafrikanischen Klänge ist das „Yaam“ (Stralauer Platz 35.) eine sichere Adresse. Früher in Treptow, ist man jetzt auf die andere Spreeseite umgesiedelt. Die Tüte in der Hand wandert mit.

Das „Supamolly“ in der Jessener Strasse 41 gehört fest zum Friedrichshainer Inventar. Es konnte nur gedeihen im Umfeld der Hausbesetzerei der nahen Rigaer Straße. Dieser Geist weht auch heute noch hier. Rauchen, trinken, Pogo stolpern – wenn ihr das wollt, an einem urigen Ort, dann seid ihr hier gut aufgehoben.

Der „RAW-Tempel“ (Revaler Strasse 99) ist ein Verein, auch hier weht ein dem „Supamolly“ verwandter Geist. Sie waren Pioniere, halfen, die große Friedrichshainer Brache zu erschließen, Anfang der 90er. Man weiß nicht, ob die Auftritte der Bands vorher mit zwei Drittel-Mehrheit im Plenum oder so entschieden wurden. Die Konzerte waren jedenfalls immer gut. Und vor allem: gut laut.

TEXT: Albert Pank



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