LebenFreitag, 07. Dezember 2007, 07:50 Uhr· von: carpeberlin

Fahrdienst für Blinde macht mobil

Article_fahrdienst_01

Die Besonderheit: Neben der Beförderung beinhaltet der kostenlose Service auch die Unterstützung durch einen Sehenden nach dem „Vier-Augen-Prinzip“, um Menschen mit Handicap mehr Sicherheit im Alltag zu geben. Unterstützt wird dieses in Deutschland bislang einzigartige Projekt von dem ehemaligen Fußball-Nationalspieler Hannes Löhr.

In der Bundesrepublik Deutschland leben 145.000 blinde Menschen und ca. eine halbe Million Sehbehinderte. Ein Großteil von ihnen erblindet erst im Alter. Gerade für Späterblindete stellt die Bewältigung des Alltags eine enorme Herausforderung dar. Nicht nur die Mobilität ist eingeschränkt, sondern viele Angelegenheiten – wie Vertragsverhandlungen oder die Abwicklung von Bankgeschäften – erfordern die Unterstützung und Kontrolle eines Sehenden. Unterstützung, die aber aufgrund fehlender sozialer Kontakte oft nicht gegeben ist.

Mit dem ersten Fahrdienst für Blinde schließt die Gemeinschaft deutscher Blindenfreunde unter dem Motto „Sehende helfen Blinden“ diese Versorgungslücke. „Ziel des Projektes ist es, nicht nur, Blinden mehr Flexibilität und Bewegungsfreiheit zu ermöglichen. Vielmehr ist der Fahrdienst für Blinde Teil eines sozialen Netzwerkes, das Menschen mit Handicap unterstützt und so zu mehr Lebensqualität beiträgt“, erläutert Thorsten Bräuer, Geschäftsführender Vorstand der Gemeinschaft deutscher Blindenfreunde, die Idee des Projektes.
Der Blindenfahrdienst Berlin wird voll durch Spenden finanziert und ist ab dem 06. Dezember unter der Hotline-Nummer 0151-54702467 erreichbar. Auf Grund der großen Resonanz bereits vor dem Start des ersten „Mobils“ plant die Gemeinschaft deutscher Blindenfreunde, den Fahrdienst im kommenden Jahr auf weitere deutsche Großstädte auszudehnen.

Über die Gemeinschaft deutscher Blindenfreunde
Die Gemeinschaft Deutscher Blindenfreunde wurde 1860 auf Anregung des blinden Pfarrers, Dr. William Moon (1818-1894), gegründet. Der Engländer engagierte sich unter anderem für den gemeinsamen Unterricht von Blinden und Sehenden und entwickelte eine schnell erlernbare Blindenschrift. Unter dem Motto „Sehende helfen Blinden“ setzt sich der Verein seit seiner Gründung für die gesellschaftliche Integration und Gleichstellung von Blinden und Schwerst Sehbehinderten ein. Die Gemeinschaft deutscher Blindenfreunde hilft unbürokratisch dort, wo keine staatliche Unterstützung geleistet werden kann.