PolitikMontag, 03. Dezember 2012, 00:01 Uhr· von: Erik Müller

Demokratie ohne Kapitalismus oder was?

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Köln war ungemütlich in den letzten Tagen. Die Stadt am Rhein zeigte sich am Beginn des Winters von ihrer rauhen Seite - kalt, nass, windig. Eigentlich keine guten Voraussetzungen für eine bundesweite Veranstaltung, zu der Besucher aus der ganzen Republik und Referenten aus ganz Europa erwartet wurden. Doch es kam am vergangenen Wochenende anders.

Das widrige Wetter wurde von der Gastfreundlichkeit der Kölner wett gemacht und der Kongress „Kapitalismus versus Demokratie“ für den veranstaltenden Sozialistisch-Demokratischen Studierendenverband (SDS) zu einem Erfolg. Drei Tage lang diskutierten rund 1000 Teilnehmer in über 80 Diskussionsforen und Workshops über den Kapitalismus und seine Folgen für die Demokratie. In den Räumen der Philosophischen Fakultät wurden aktuelle Themen, etwa die Situation in Griechenland oder Ägypten, die Eurokrise und der europaweit anschwellende Neofaschismus genauso behandelt wie grundsätzliche Fragen über sozialistische Alternativen zum Kapitalismus oder hochschulspezifische Themen wie die Kommerzialisierung der Forschung. In vielen Beiträgen wurde zudem die Strategie der Occupy-Bewegung thematisiert.

Am Freitag diskutierten Teilnehmer in einem dreistündigen Intensivkurs unter dem Motto „Marxismus versus Keynesianismus“ die Frage, warum es im Kapitalismus immer wieder zu Krisen kommt und welche Antworten die Ökonomen Marx und Keynes dazu liefern.

Enormer Andrang herrschte am Samstagnachmittag bei der Veranstaltung „Für eine demokratische Gesellschaft! Aber wie kommen wir dahin?“ mit Gregor Gysi (DIE LINKE) und dem Piratenpolitiker Joachim Paul. Am Ende der Debatte musste Gysi in wenigen Minuten unzählige Fragen beantworten und demonstrierte seine legendären rhetorischen Fähigkeiten, was von den jugendlichen Zuhörern mit tosendem Applaus honoriert wurde.

Der absolute Höhepunkt an diesem Wochenende war der Auftritt von Sahra Wagenknecht (DIE LINKE) am Samstagabend. Gut eine halbe Stunde referierte die Ikone der Linken im großen Auditorium der Philosophischen Fakultät. Frei und ohne Manuskript sezierte sie Schritt für Schritt, Schnitt um Schnitt den Finanzmarktkapitalismus, immer wieder unterbrochen von frenetischem Applaus. Wagenknecht kam bei der studentischen Linken gut an und gehörte neben Gysi, Kipping, Riexinger, Jutta Dittfurt und dem Schriftsteller Raul Zelik zu den Stars der dreitägigen Konferenz.

Nach 2008 und 2009 war dies der dritte politische Kongress, zu dem der SDS eingeladen hatte. In monatelanger Vorarbeit war die Veranstaltung geplant worden, was in Köln einen reibungslosen Ablauf ermöglichte. Die SDS-Aktiven überließen nichts dem Zufall. Obwohl sämtliche Jugendherbergen der Stadt ausgebucht waren, musste kein Besucher fürchten ohne Unterkunft zu bleiben. Dafür wurden auf dem Gelände der Sporthochschule beheizte Turnhallen zur Übernachtung bereitgestellt. Auch für das leibliche Wohl der Teilnehmer war gesorgt. Eine Kölner Bäckerei spendete vom Tage übrig gebliebene Brötchen, die säckeweise angekarrt wurden, und eine „Volksküche“ des ASTA sorgte auf dem Universitätsgelände für die Speisung der Kongressbesucher mit Kartoffeleintopf. Um eine kostenlose An- und Abreise zu ermöglichen, stellte der SDS in sämtlichen deutschen Universitätsstädten Charterbusse nach Köln bereit. Am Freitag- und Samstagabend gab es zudem die Möglichkeit, zur Party mit Konzert im ASTA-Cafe zu gehen, alles enthalten in der Kongressgebühr. Die fiel mit 15 Euro moderat aus, auch wenn eine Boulevardzeitung anderes behauptet hatte.

Zweifellos, der SDS (Sozialistisch-Demokratischer Studierendenverband) ist im Aufwind und konnte am Sonntagabend eine Vielzahl von Neumitgliedern gewinnen. Er wurde 2007 gegründet und tendiert zur Partei DIE LINKE. Durch die inhaltliche Ausrichtung und die hervorragende Organisation des Kongresses hat er sich nicht nur eine eigene Referenz geschaffen, sondern sich auch als die politische Stimme der studentischen Linken in Deutschland positioniert.



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