KulturMittwoch, 03. Oktober 2012, 22:51 Uhr· von: Nicolas Flessa

Das Schweigen, ein Schmuck

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Lange vor der "Neuen Deutschen Welle" und der stolzen Wiedergeburt des deutschen Pops im Schlepptau von Bands wie "Tokio Hotel" oder "Wir sind Helden" war diese Frau bereits mit deutschen Liedern im Ausland auf Tournee. Fast 40 Jahre später zählt sie gesanglich noch immer zur musikalischen Avantgarde; sogar mir Liedern, die ziemlich in die Jahre gekommen sind - und solchen, die wohl noch nie so recht Ohrwurmqualität besaßen.

Ingrid Cavens heutige Premiere im Berliner Ensemble hinterließ ein bezaubertes Publikum. Wer nicht den schweren Fehler beging und sich in der Pause - von den Schönberg'schen Klängen entmutigt - in die laue Berliner Herbstnacht davonstahl, wurde Zeuge einer ebenso eigenwilligen wie hoch professionellen Tonkünstlerin. Zwischen Liedern von Peer Raben, Kurt Weill und Elvis Presley versteckte sie ebenso lässig ein Fassbinder'sches Gedicht aus der gemeinsamen Pariser Zeit wie ein lateinisches Ave Maria.

Mit dem Publikum, das sie im Anschluss tosend zu einer Zugabe zu bewegen versuchte, verhielt sie sich ein wenig wie ein Backfisch auf Brautschau. Jederzeit bereit, einen Blick zu riskieren, ein offenes Wort aber wagte sie kaum. Anderen Künstlern könnte man diese Verschwiegenheit vielleicht zum Vorwurf machen; dieser Diva aber gereicht selbst das Schweigen zum Schmuck.

 

Ingrid Caven singt...

Kurt Weill bis Peer Raben und Arnold Schönbergs Pierrot Lunaire

Am Klavier: Jay Gottlieb

Wo? Berliner Ensemble, Bertolt-Brecht-Platz 1, Berlin-Mitte

Wann? 4. Oktober 2012, 20 Uhr

Tickets? http://www.berliner-ensemble.de/online-kauf/6619

Telefon: (030) 284-08-155
Fax: (030) 284-08-115
Montag bis Freitag: 8 - 18 Uhr



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