Architektur, KulturMittwoch, 01. Juni 2011, 14:59 Uhr· von: Anasthase von Rosenkranz; Fotos von Martina Kohnova

Das Dach über Berlin

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Landsberger Alle 54, Berlin-Friedrichshain im Jahr 1877. Die Produktion der größten Brauerei Europas, der Patzenhofer Brauerei, wird in Gang gesetzt.

Heute, selber Ort. Nach Jahrzehnten, in denen das riesige Gebäude im Verwahrlosungszustand lag, entsteht aus dem Gelände ein neues Kunst-Zentrum. Es heißt Kunst Haus LA54. In seinen Räumen arbeiten zwanzig Künstler und findet der Ruf Reaktor seinen Sitz, ein Kollektiv von „Mashup“- Künstlern, die alle Kunstarten - Musik, Theater, Malerei, Kino und Installationskunst - in einem einzigen Happening zusammenbringen.

Landsberger Alle 54, Berlin-Friedrichshain im Frühling 2013. Die letzen Bauarbeiten von 152 Luxus-Wohnungseinheiten durch die Estavis AG werden abgeschlossen. Wie es gleich zu ahnen ist, sind die Erwerbpreise absurd hoch. Kein Kunst-Haus, kein Atelier, kein Ruf-Reaktor, keine Musik, keine Kunst, keine Geschichte mehr.

Glücklicherweise müssen noch zwei Jahre vergehen, bevor sich dieses traurige Schicksal verwirklichen kann. Ohnehin strandete bisher das 43 Millionen Euros Projekt der Estavis AG auf der deutschen Gesetzgebung, die das Gebäude als Denkmalschutz erklärt. Daher wurde noch keine Umbaugenehmigung des Gebäudes gewährt. Zudem haben sich alle Künstler des Hauses an einen e.V., den LA54,  angeschlossen. Um die Abrissbagger anzuhalten, versucht der Verein die öffentliche Aufmerksamkeit des Kiezes, welcher sich schon gegen das Verstädtern des Spreeufers durch Mediaspree heftig engagiert, darauf zu ziehen.

“Außerdem wurde 1989 die Patzenhofer Brauerei bereits eines Seitenflügels beraubt“ erklärt uns Gianluca, einer der Gründer von Ruf Reaktor. „Gleich nach dem Mauerfall, als noch eine Menge auszufüllender Gesetzlücken gab, konnte der Seitenflügel des Gebäudes verkauft und abgerissen werden, um auf dem Gelände ein Kino zu erbauen“. Das Künstlerkollektiv des Hauses, der Ruf-Reaktor, wurde im Februar dieses Jahr geboren, als Zoran, ein Mahler der im DG der ehemaligen Brauerei sein Atelier hatte und dieses jedoch in einen Mehrzweckraum verwandeln wollte, einen Aufruf setzt, auf den fünf Leute antworten. Durch ihre Zusammenarbeit wird das DG des Kunsthauses zu einem Treffpunkt für unterschiedliche Kunstarten, von Musik durch bildende Künste und Kino bis hin zum Theater. Es heißt „mash-ups“ und wird jeden Donnerstagabend aufgeführt. An diesen Happenings nimmt auch das Kollektiv TuneUp e. V. teil, welches sein Hauptquartier direkt an der Spree hat. Am jeden Mittwoch findet zudem ein Kinoabend statt, jedes Mal mit neuen spannenden und anspruchvollen Programmen.

Ein besonders großes kulturelles Angebot findet am letzen Wochenende jedes Monats in der Landsberger Allee statt! Alle Etagen der Brauerei mit ihren sämtlichen Galerien und Ausstellungsräumen bleiben die ganze Nacht durch für ihre Besucher geöffnet. Der Ruf-Reaktor läuft dann auf vollen Touren und zahlreiche Bands treten für eine ganze Nacht Live-Musik bis hin zum Sonnenaufgang nacheinander auf.

Außerdem sind Sonderereignisse vorgesehen: am vergangenen 7. Mai zum Beispiel fand das Butoh Tanz-Festival statt, bei dem Dutzende von Musikern die japanische Butoh-Tanzshow begleiteten. Die Butoh hat eine lange Tradition, die sich an den größten Theater-Meistern des XX. Jahrhunderts, wie Mishima, Artaud und Jenet, anlehnt. Der Erlös des Abends kam dem japanischen Roten Kreuz zugute.

Ungewiss ist doch, ob die Macht des Geldes die Oberhand gewinnen wird gegenüber jener der Kunst und dem Willen des Kiezes, wo im Februar 2011 bereits das alternativen Wohnprojekt „Liebig 14“ trotz dem Protest der Friedrichshainer aufgelöst und geräumt wurde. Sicher ist nur, dass die „Landsberger“ fest entschlossen sind, nicht aufzugeben. Gerade diese Selbstbestimmung ist für das Kunsthaus LA54 und seinen Ruf-Reaktor entscheidend, um einen einzigartigen und nicht zu versäumenden Kunst-Ort der Berliner Stadt zu erhalten.

Kunst Haus LA54

Ruf Reaktor

Eintritt: 3 euro am WE; frei am letzen Samstag jedes Monats

Landsberger Allee 54 – 10249