LebenMontag, 04. Dezember 2006, 16:09 Uhr· von: carpeberlin

Chanukka-Markt im Glashof des Jüdischen Museums Berlin

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Chanukka heisst soviel wie "Neueinweihung" und ist ein jüdischer Halbfeiertag. Er geht nicht auf biblische Gebote, sondern auf historische Ereignisse zurück. Das achttägige Lichterfest beginnt am Abend des 24. Kislew und wird in diesem Jahr vom 5. bis 12. Dezember gefeiert. Chanukka gedenkt der Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem im Jahr 165 v.d.Z und erinnert an den sogenannten Makkabäeraufstand gegen die griechische Syrerdynastie. Ein Besuch des Chanukka Marktes lohnt sich aber nicht nur zur religiösen und historischen Weiterbildung, sondern auch in kulinarischer Hinsicht. Spezialitäten wie Latkes (Kartoffelpuffer) und Sufganiot (Pfannkuchen bzw. Krapfen) sowie Glühwein aus koscherem Wein kann man probieren.

Es wird der Zeit gedacht, in der Israel unter der schrecklichen Herrschaft der Griechen leiden musste. Ständig neue Gebote und Gesetze machten den Juden das Leben schwer, verboten ihnen sogar, ihre Religion weiter auszuüben. Von nun an sollten sie nämlich die Götzen der griechischen Herren anbeten. Aber einige Frauen und Männer wehrten sich gegen diese Gesetze, denn für sie gab es nur einen Herren - den Gott Israels. Unter der Führung des Judas Makkabäus und seiner vier Brüder besiegten sie die griechische Syrerdynastie der Seleukiden 165 v. Chr. im sogenannten Makkabäeraufstand. Ein Jahr später wurde auch der von den fremden Herren missbrauchte Tempel gereinigt, von den griechischen Götzen befreit und schließlich neu geweiht. Damals war jedoch nur noch eine winzige Menge geweihtes Öl übrig, das gerade gereicht hätte, den Tempel einen Tag lang zu erleuchten. Aber zur großen Verwunderung brannte das Licht 8 Tage lang.

 

Der Chanukka- Leuchter
Heute hat der Chanukka- Leuchter, ein Kerzenleuchter, genau 8 Kerzenhalter, die symbolisch für diese 8 Tage, die das Licht im Tempel brannte, stehen.
Jede jüdische Familie besitzt einen solchen Leuchter, dessen Kerzen nur zu Chanukka entzündet werden dürfen. Dazu benötigt man eine Hilfskerze, den sogenannten Schamasch (=Diener), der seinen eigenen Platz an dem Chanukka- Leuchter (meist in der Mitte) besitzt. Kurz nach Sonnenuntergang werden die Kerzen unter Segenssprüchen entzündet und jeden Abend leuchtet ein Licht mehr an dem Chanukka- Leuchter, bis schließlich alle 8 Kerzen brennen. Die Chanukkalichter dürfen nicht für praktische Zwecke verwendet werden, wie zum Beispiel zum Beleuchten des Zimmers, zum Lesen oder zum Anzünden einer Zigarette. Der angezündete Leuchter wird als Bekenntnis zum Judentum meist im Fenstern aufgestellt. Außerdem soll damit das Chanukkawunder öffentlich verkündet werden.


Chanukka-Markt im Glashof
Im neuen Glashof des Architekten Daniel Libeskind finden sechzehn außergewöhnliche Hütten Platz, die eigens für diesen Markt konzipiert wurden. Die Stände locken mit einer Produktpalette, die von Judaica über vielfältige kulinarische Spezialitäten bis hin zu Kitsch-Produkten im Shlock Shop reicht. Der Entwurf für die Hütten stammt vom Architekturbüro »KAPOK: Claire Karsenty, Robert Slinger«, das von ehemaligen Mitarbeitern des Architekten Daniel Libeskind gegründet wurde. Die Architekten ließen sich bei der Konzeption der Chanukka-Stände vom osteuropäischen »Schtetl« und vor allem von der Architektur des Glashofes inspirieren. Sie griffen das für Daniel Libeskind typische Element des spitzen Winkels auf und schufen Schaubuden mit schrägen Wänden und verzerrten Ecken. Die vier unterschiedlich geformten Wände der Buden entsprechen den vier Seiten eines Dreidels - des Kreisels, mit dem traditionell zu Chanukka gespielt wird. Durch ihre unkonventionelle Form entsteht ein Markt mit einem ganz besonderen Flair.


Öffnungszeiten des Museums:
Dienstag bis Sonntag von 10 bis 20 Uhr, Montag von 10 bis 22 Uhr