SportMittwoch, 14. Januar 2009, 13:16 Uhr· von: carpeberlin

Beten vor dem Anpfiff

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Die Stimmung im Stadion heizt sich vor Spielbeginn auf. Gut zu wissen, dass es noch einen Ort der Ruhe gibt. Die Kapelle ist ein Ort zum Beten. Wie jetzt? Noch mal schnell in die Kirche vor dem Anpfiff? Genau das kann man im Olympiastadion machen. Der Andachtsraum befindet sich zwischen den Sportlerzugängen zum Spielfeld und der VIP-Lounge. Der Architekt Prof. Volkwin Marg lieferte die Entwürfe nach denen gebaut worden ist. Während draußen gesungen wird: „alle warten voller Spannung auf das absolute Spiel“ kann man im Innenraum der Kapelle die goldene Wand betrachten.

Auf der elliptischen Wand sind Bibelverse in 17 Sprachen zu lesen. Da hat auch der chinesische Fan keine Probleme  das „Vater Unser“ zu sprechen, denn er kann es direkt von der Wand ablesen. Schaut man sich im Raum weiter um, so entdeckt man das Kreuz hinter dem Altar. An dieser Stelle verbinden sich die Worte der Bibel, das Zeichen und das Gold der Wand zu einer Einheit. Das Kreuz zeigt, dass es die Menschen weltweit miteinander verbindet. Auch sehr verbunden fühlte sich die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin sowie Einzelpersonen, die die ganze Idee finanzierten. Rechtzeitig vor der Fußball-WM wurde sie im Mai 2006 eingeweiht. Insgesamt ist die Kapelle ein Kontrapunkt zu dem Stadion, was 1936 zu den olympischen Spielen gebaut worden ist. Das ein christlicher Raum, 4 Etagen unter der ehemaligen Loge des sogenannten Führers steht und jetzt ganz andere Werte verkündet als das derzeit der Fall war ist schon was besonderes.

Ich sprach mit Pfarrer Felmberg über den heiligen Raum.

Wie kommt man als Hertha Fan vor dem Spiel in die Kapelle?
Felmberg: Ganz einfach ist es nicht. Wer in die Kapelle kann, der kann auch also fast schon auf den Rasen. Wir sagen den Leuten, die Interesse haben in die Kapelle zu kommen, dass eine Stunde vor Spielbeginn ein Gottesdienst ist, der eine halbe Stunde dauert. Wir haben oben am Eingang D einen Treffpunkt und die Verantwortlichen von Hertha BSC sorgen dafür, dass diese Menschen in die Kapelle runter kommen.


Wie entstand die Idee die Kirche ins Olympiastadion zu holen?
Felmberg: Ich wusste natürlich, dass auf Schalke eine Kapelle ist. Ich habe mir auf Schalke die Kapelle angesehen. Und habe mir dann gedacht, das brauchen wir in Berlin auch. Aber wir brauchen es in Berlin noch besser. Dann ging die Idee los. Dann habe ich einigen Leuten aus der Berliner Journalistenszene die Idee ins Ohr geflüstert und die haben daraus gleich ein paar große Artikel gemacht. Dann war das Thema in Berlin in der Welt und man konnte nicht mehr zurück.

Wie läuft hier eine Trauung ab?
Felmberg: Es läut eigentlich sehr klassisch ab. Wir erreichen viele Hertha Fans aus ganz Deutschland kommen zu Taufen und Trauungen ins Olympiastadion. Die heiraten dann klassisch in weiß, finden es aber schön nach der Tauung auf die blaue Tartanbahn zu treten.

Na denn, Gottes Segen für die Herthaner! Auf das der Ball ins richtige Tor geleitet wird...